Vertragsabschluss mit dem Schöpfer

Zunächst einmal müssen wir uns darüber klar werden, dass all unsere Wirklichkeit aus Sein, Nicht-Sein und dazwischenliegenden Zuständen besteht, d.h., unsere menschliche Realität beruht auf allem, was existiert, sowohl in greifbarer Wirklichkeit als auch in gedanklicher Vorstellung. Hege keinen Hass – weder gegen dich selber noch gegen deine Feinde. Erkenne sie als Gegner, die bloß etwas dümmer wirken, aber höchstwahrscheinlich, warst du einmal der dümmste von allen. Im Herzen hat es keinen Platz für Groll und Hass, denn genau genommen ist niemand unfehlbar.

Die Schöpfung verbirgt uns nichts, und so liegen die Antworten alle offen vor uns. Geheiligte Momente vergehen, weil ihr Heiligsein – das Geweihte – entweiht wurde, und weil wir den heiligen Tempel unseres Inneren zerstört haben, kann es jetzt nur noch durch die weltlichen Triebfedern – Ursache und Wirkung – ausgedrückt werden. Das Geweihte wurde entweiht, und demzufolge sehnen wir uns danach.

Sehnsucht ist die Ursache jeglicher Vorstellungskraft. Durch religiöse Traditionen und Rituale binden wir uns an bestimmte Ausdrucksformen. Dabei verlangen wir immer nach dem, was schon ein Teil von uns selber ist. Fast immer wird die Vorstellungskraft durch das was wir uns wünschen ins Leben gerufen. Auf diese Weise wird unser Verlangen zur lebensspendenden Urkraft, und beseelt unsere Vorstellungen. Das sehnsüchtige Verlangen führt uns zu einer Vorstellungskraft, die logisch denken kann, und so den Zugang zum Universum öffnet.

Ein Mann träumt von der Frau, wie aus einer Notwendigkeit heraus. Wo liegt nun der Unterschied zwischen Sehnsucht und Wunsch? Ein Mann wünscht sich eine Frau. Doch was will er wirklich, wenn er sich eine Frau wünscht? Wünscht er sich ein Ende seines Verlangens? Die Frau wird indes durch Rituale und Traditionen des Menschen wie eine Geisel in der Vorstellung und den Träumen des Mannes gehalten. Träume gehören zum Wesen dieser Welt und sind von äußerster Wichtigkeit. Indem wir die Erde verinnerlichen – d.h. selbst Erde werden – verkörpern wir ihren Traum, ihren Willen sowie ihre Seele, und leben in Übereinstimmung mit uns selbst und unserer Vorstellungskraft. Wenn wir auf das Ritual verzichten, dann nehmen wir stattdessen den geheiligten Dialog zwischen der Schöpfung und dem Menschen wieder auf - in ordnungsgemäßer Position, genau im jenem Raum der Mitte, der dem Menschen zugeteilt wurde – dem Raum zwischen Himmel und Erde.

In Stille fließen unsere Gedanken. Wenn der Verstand in kurzer Zeit einen Umbruch erfährt, dann folgt ihm das Herz nur im Laufe der Zeit. Im Innersten eines jeden von uns muss zunächst etwas absterben oder unter Kontrolle gebracht werden, damit wir uns in Bewegung setzen, um unsere eigene geistige Reise anzutreten; und gleichermaßen muss ein jeder von uns ein wenig für den anderen mitleiden. Sogar Spenden ist eine Form der Nächstenliebe, wenn es das Leid von anderen unterbindet. Wenn jemand versucht, seinen tatsächlichen Zustand zu verbergen, so verschlimmert er nur seinen Zustand und zeigt die Anzeichen genau jenen Menschen, vor denen er sie verbergen wollte. Geistige Aufklärung bedeutet eine Autopsie der Seelen sowie das Erwachen von Vernunft und der Erkenntnis.

Bei inständiger Selbsthingabe kommt schließlich ein Selbst zum Vorschein, das gibt. Weil die Liebe keine Grenzen kennt, ist dieses Selbst umfangreicher als alles andere, und verfügt über wesentlich mehr unterschwelliges Wissen. Wenn all das, was wir anstreben und bewirken wollen, nicht aus Liebe im Herzen geschieht, und wenn es nicht der Verbesserung der Situation unserer Nächsten – einschließlich anderer Spezies – dient, – dann führt im Endeffekt die gesamte geistige Vertiefung nur zu unserem Ende. Wird der Geist verletzt, dann wird alles verletzt. Denn wenn wir einen Menschen verletzen, verletzen wir uns selber und die Harmonie des Geistes innerhalb des Selbst und dessen Umfeld. Genauso wie ein Körper, der dem Skalpell eines Chirurgen ausgesetzt ist, und dessen scharfer Einschnitt ein bleibendes Narbengewebe hinterlässt.

Des Menschen Liebes-Wille ist bedingungslos! Wo die üblichen Kommunikationswege versperrt sind, da werden neue geschaffen. Wie viele Dichter und Musiker haben ihre ergreifenden Werke auf der Suche nach Liebe geschaffen! Liebe ist unser Vertrag mit dem Schöpfer.

Das Wandern, umgeben von dem Blumenduft der Veilchen und der Rosen, der Lilien und dem Wohlgeruch des Blaus der Himmelsfeste ist ganz gewiss ein prachtvoll blendendes Erwandern.
Ein warmer Wind, er strömt durch unsere Seelen wie pures Licht und spendet Segen. So wie sich das ehrfurchtsvolle Auge von den Faltern bezaubern lässt, die in der Frühlingsluft in gelber und orangefarbener, in roter und in blauer Farbenpracht vorüberflattern. Gemeinsam sind wir alle Eins, Teil von ein und derselben Schöpfung Gottes. Gott kennt nur sich selbst. Göttliche Liebe ist ein mystisches “Ertrinken” in Gottes Wahrhaftigkeit. Das Erfahren und das Teilen dieser Liebe verschönert und veredelt die Welt. Schönheit quellt aus den inneren Tiefen der menschlichen Herzen, den feinen Herzen, hervor.
Die Liebe vergrößert uns bis zur Unendlichkeit, von dort, woher wir gekommen sind, und wohin wir neu belebt und mit tieferer, umfassender Weisheit schließlich zurückkehren. Die Liebe lässt uns alles ­überwinden alles und allen verzeihen. Wahre Liebe schmerzt nie. Sie bereitet uns Vergnügen und spendet uns Trost. Sie ist der Inhalt und das Aroma des Lebens. Wir wurden geboren, um uns der Liebe hinzugeben, aber irgendwie verlieren wir den Überblick über den Lauf der Dinge und landen am Ende auf dem Schuttplatz. Im Grunde genommen besteht das Leben darin, Liebe zu praktizieren oder darin, sich zu bemühen, die Liebe aus dem Zustand zu retten, in welchen wir sie durch Nachlässigkeit oder Verantwortungslosigkeit herunterkommen ließen.

Mit Verständnis und Erbarmen!

Yilmaz Alimoglu
March 25th, 2012
aus dem Englischen von Christian Korn
Copyright © Yilmaz Alimoglu 2010-2015.

 

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